Gianna Nannini provoziert wieder

Sängerin schrieb Musik zum Film "Viola di Mare" über lesbische Liebe

30.10.2009 Klaus J. Schwehn

"Viola di mare" heißt der Film, der in Italien im Herbst 2009 für Aufregung und Diskussionen sorgt. Die Rocksängerin hat die Musik zu diesem Streifen verfasst

Ihre Stimme geht den Menschen durch Mark und Bein, auch wenn in den rauchigen Rock zarte Sequenzen verwoben sind. Selbst nach fast 20 Jahren ist ihr „Un estate italiana“ – ein italienischer Sommer – unvergessen, mit dem Gianna Nannini im Jahr 1990 die Fußball-Weltmeisterschaft in Rom eröffnete; ein Song, der dann allerdings nicht die squadra azzura, sondern die deutsche Elf zum Titel trug. Es mag wohl auch ein bisschen eine kleine Anlehnung an den Text dieses Liedes gewesen sein, als dann bei der WM 2006 in Deutschland vom „deutschen Sommermärchen“ die Rede war – das dann im Finale ein italienisches wurde.

Gianna Nannini ist über die Jahrzehnte hinweg erfolgreich ihrer Stimme treu geblieben. Aber jetzt hat sie sich, das hatte sie beispielsweise 1981 schon einmal geprobt, einem anderen Metier verschrieben: Sie hat die Musik zu einem Kinofilm verfasst.

Gianna Nannini: Immer für eine kleine Provokation gut

„Viola di mare“ heißt der Streifen, der im Oktober 2009 seine Uraufführung erlebt hat. Er basiert auf einem Roman des Schriftstellers Giacomo Pilati; Regie führt Donatella Maiorca, und in den Hauptrollen präsentieren sich Isabella Ragonese und Valeria Solarino. Dass zwei Frauen die Hauptrolle spielen, gibt einen ersten Hinweis: Die Handlung spielt im 19. Jahrhundert auf einer sizilianischen Insel – und es ist ein Film über Homosexualität, ein Film zum Thema lesbische Liebe. Ein auch heute noch äußerst provokantes Thema im katholischen Italien, und somit ein für die gern wider den Stachel löckende Nannini eine hoch willkommene Aufgabe. „Liebe ist Liebe“, sagt sie, und „Homosexualität nur eine leere Worthülse“. Und in Zeitungsinterviews hat sie vor dem Hintergrund dieses Films auch den Vatikan direkt angesprochen: Er solle „endlich kapieren, was wirklich Liebe ist“.

Musikerin mit unabhängigem, unruhigem Geist

Die am 14. Juni 1956 in Siena geborene italienische Liedermacherin und Rocksängerin war schon immer ein unabhängiger, auch unruhiger Geist. Mit 18 Jahren, nach dem Abitur, verließ sie das Elternhaus – eine wohlhabende Konditorfamilie – und studierte zunächst Klavier in Lucca und anschließend Komposition in Mailand Zwischendurch und nebenher beendete sie ihr Studium der Literaturwissenschaft und Philosophie mit einer Arbeit über das Thema „Il Corpo Nella Voce“ – der Körper in der Stimme. In ihrer folgenden Karriere als Sängerin demonstrierte sich die Umkehrung dieses Titels: Eine fast unbändige Stimme steckte und steckt in ihrem Körper.

Der Durchbruch kam mit „Puzzle“

Im Jahr 1979 kam mit „California“ ihre erste erfolgreiche Langspielplatte heraus; zwei Jahre später probte sie ihre erste Filmmusik für den Streifen „Sconcerto Rock“. Hier sang sie auch das Titellied „Ora“. Den echten Durchbruch in Italien – nach etlichen Erfolgen im Ausland, auch in Deutschland, schaffte sie mit der Langspielplatte „Puzzle“ in 1984. Nach etlichen Enttäuschungen, auch nach Fehlgriffen ihrer Produzenten mit elektronischer Musik und verfremdenden Soundeffekten, kehrte die Nannini im Jahr 2006, zum 30jährigen Bühnenjubiläum, zur Rockmusik zurück. „Grazie“ hieß das Album, und es wurde ein großer Erfolg. Und bei solchen Erfolgen ist es geblieben, Überraschungen und Abenteuer eingeschlossen. Immer mit dem Herzen auf der Zunge, wie sie in „Un estate italiana“ gesungen hat: „Con il cuore in gola – un’avventura in più“.

Der Artikel Gianna Nannini provoziert wieder in Rock unterliegt dem Urheberrecht. Jegliche Verwendung dieses Textes, auch auszugsweise, erfordert die vorherige schriftliche Erlaubnis des Autors. Autor des Artikels Gianna Nannini provoziert wieder ist Klaus J. Schwehn.
Gianna Nannini 2009, Nannini Gianna Nannini 2009
Momenti italiani, Lavazza Momenti italiani
 
;